Archäologie

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Pfahljoche und -reihen im südlichen Bereich der Brückenfundstelle.
Pfahljoche und -reihen im südlichen Bereich der Brückenfundstelle.

Die im Jahr 2009 ergrabene hölzerne Jochpfahlbrücke von Kirchhain-Niederwald ist östlich des Rheins bislang das einzige latènezeitliche Bauwerk dieser Art. Insgesamt sind in mehr als 100 Jahren archäologischer Forschung nur 13 Fundorte von latènezeitlichen Holzbrücken in der Schweiz, in Frankreich, Luxemburg und Deutschland bekannt geworden – einschließlich der Fundstelle von Kirchhain-Niederwald.

Zahlreiche Kleinfunde aus Keramik, Stein, Holz und Metall erweitern den bisherigen Kenntnisstand zur materiellen Kultur der Früh- und Mittellatènezeit des Amöneburger Beckens beträchtlich.

Die wissenschaftliche Bearbeitung der hölzernen Kleinfunde erfordert besondere Kenntnisse. Rund 25 aussagekräftige Stücke werden von A. Goldner-Bofinger M. A. einer Material-, Herstellungs- und Funktionsanalyse unterzogen.

Trittspuren von Pferden und Rindern, Schotterungen und Einbauten aus Astgeflecht zwischen den Brückenpfählen bezeugen eine intensive Begehung des Areals vor, während und nach der Bestandsdauer der Brücke.

Die archäologische Untersuchung umfasst die Rekonstruktion des Brückenbauwerks, die Funktionsanalyse der Einbauten sowie die Darstellung der Entwicklungsphasen des Flussübergangs. Sie kann zusammen mit den geomorphologischen Untersuchungen und den Erkenntnissen aus der Besiedlungsanalyse die Gründe für die Standortwahl, die Nutzungsdauer und die Aufgabe der Brücke erklären.

Die Ausgrabung der 400 m westlich der Brücke am selben Flusslauf gelegenen Siedlungsstelle lieferte erneut reichhaltiges und hervorragend konserviertes, überwiegend keramisches Fundmaterial. Hinzu kamen hier nun auch Glasfunde wie Perlen und Armringfragmente.

Ziel der Auswertung der Siedlungsgrabung ist die Rekonstruktion der Siedlungsstruktur und der Lebens- und Wirtschaftsweise der mittellatènezeitlichen Bevölkerung. Das Fundgut wird auch im Hinblick auf mögliche Handelsgüter untersucht, um festzustellen, ob die Bewohner der Siedlung von der Nähe zu der Brücke und damit zu einem gesicherten Verkehrsweg profitiert haben.

Zuletzt erfolgt eine ausführliche Analyse der Besiedlungsentwicklung im Amöneburger Becken in der Späthallstatt- und Latènezeit. Durch die nun vorliegenden Funde und Befunde aus Kirchhain-Niederwald liegt eine solide Basis für eine Neubewertung der bekannten, meist nur grob datierten Fundstellen dieser Region vor (Abb. 8). Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Bedeutung der Brücke für den Ausbau eines Kommunikations- und Verkehrsnetzes.