Projektziele

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Funde im Archiv der Außenstelle Marburg, Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung hessenARCHÄOLOGIE.
Funde im Archiv der Außenstelle Marburg, Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung hessenARCHÄOLOGIE.

Das heutige Landschaftsbild im Lahntal bei Niederweimar wird durch verschiedene Großbaumaßnahmen in zunehmendem Maße umgestaltet und verdichtet. Diesen dynamischen Prozess mit seinen tiefgreifenden Zerstörungen fruchtbarer Ackerflächen hat die hessenARCHÄOLOGIE seit über 20 Jahren durch Surveys, geomagnetische Prospektionen und bauvorbereitende Ausgrabungen begleitet. Im Zuge dieser präventiven denkmalpflegerischen Maßnahmen ist ein enormer archäologischer Datenschatz gewonnen worden.

Daher ist es ein dringendes Forschungsanliegen, die Sachdaten aus 24 unterschiedlich strukturierten Kampagnen im Rahmen des Projektes zusammenzuführen und ein einheitliches Aufnahmeschema für diese bedeutsame Großgrabung Hessens zu entwickeln. Damit soll der Grundstein für eine erfolgreiche wissenschaftlichen Auswertung gelegt werden. Folgende Themenkomplexe werden im laufenden Projekt korreliert:

  • Ausgrabungen: Laut Planfeststellungsbeschluss ist die archäologische Begleitung des Kiesabbaus bis zum Jahr 2025 rechtlich geregelt, weitere jährliche Untersuchungen in den nächsten 13 Jahren werden den Sachdatenbestand in erheblichem Umfang mehren. In den kommenden Jahren werden dabei die Bachbettverlegung der Allna und die anschließende Untersuchung der unmittelbaren Allna-Aue einen wichtigen Schwerpunkt setzten und sicherlich sowohl in archäologischer als auch in geomorphologischer und archäobotanischer Hinsicht neue vielversprechende Ergebnisse bringen. Im Rahmen des Projektes „Archäologie im Lahntal um Weimar (Lahn)“ sollen die zukünftigen Ausgrabungsergebnisse mithilfe verfeinerter Aufnahmemodule zeitnah für die wissenschaftliche Auswertung bereit gestellt werden.  
     
  • Aufarbeitung der Grabungsdokumentation: Die Fülle der archäologischen Sachdaten sowohl der Altgrabungen als auch der neuen Grabungsflächen soll zunächst einheitlich strukturiert und in eine bestehende leistungsstarke Datenbank integriert werden. Diese wird im Hinblick auf die Informationstiefe des ständig wachsenden Datenbestands zu einem kulturlandschaftlichen Informationssystem ausgebaut, in dem die archäologischen Daten mit den Ergebnissen der geomorphologischen und archäobotanischen Untersuchungen vernetzt werden können.
     
  • Datenbankerfassung der Funde: Das umfangreiche Fundmaterial der Kiesgrubengrabungen und der linearen Projekte soll in seiner Gesamtheit einer Sichtung in Bezug auf Zeitstufen, Erhaltungszustand und Befundsituation unterzogen werden, um in hoher Informationsauflösung in der Grabungsdatenbank erfasst zu werden.
     
  • Geomorphologie und Archäobotanik: Die vollständige Aufarbeitung sowohl der dokumentierten Geoprofile zur geomorphologischen Entwicklung der Kleinregion als auch des gewonnenen archäobotanischen Probenbestands ist ein weiteres Ziel. Das Probenmaterial aus den zukünftigen Ausgrabungsflächen soll zeitnah analysiert und im Rahmen der Gesamtergebnisse ausgewertet werden.
     
  • Naturwissenschaftliche Analysen: Im Rahmen des Projektes sollen im weiteren Verlauf gezielt physikalische Altersbestimmungen (14C-Datierungen) in Auftrag gegeben werden. Auch die Auswertung der bereits vorgenommenen Phosphatanalysen sowie noch ausstehender anthropologischer und osteologischer Untersuchungen gilt es, voranzutreiben.
     
  • Restaurierung: Ausgewählte Fundobjekte sollen – soweit nicht bereits geschehen – restauriert werden, um für die Gesamtauswertung bereit zu stehen.
     
  • Erstellung eines Projektentwicklungsplans: Die wissenschaftliche Auswertung der gesammelten Ausgrabungsergebnisse ist eine komplexe und umfangreiche Aufgabe, die mit Hilfe eines Projektentwicklungsplanes vorbereitet werden soll.
     
    Im Lahntal bei Niederweimar bietet sich die Möglichkeit, die Wechselbeziehungen des Menschen und seiner Umwelt durch sämtliche Epochen der Vor- und Frühgeschichte in diachroner  Weise zu untersuchen. Die enge Einbindung archäobotanischer und geomorphologischer Fragestellungen in den Rahmen der archäologischen Maßnahmen seit Beginn der Grabungen hat sich hierfür als wegweisend erwiesen. Damit bietet sich ein einmaliges Potential, an dieser Stelle einen Forschungsstandort für siedlungsarchäologische Fragestellungen zu etablieren. Eine fundierte Rekonstruktion der Kulturlandschaft wird dabei helfen, ein lebendigeres Bild der Lebensumwelt der frühen Besiedler des Lahntals zu erschließen.
     
  • Wissenschaftliche Auswertung: Die interdisziplinäre Auswertung der Ausgrabungsergebnisse aller Fundstellen im Lahntal bei Niederweimar steht am Ende der oben aufgeführten Vorarbeiten. Diese Aufgabe ist nur in Zusammenarbeit mit verschiedenen Forschunseinrichtungen und Universitäten deutschlandweit zu lösen. Die wissenschaftlichen Resultate werden in einer eigenen Publikationsreihe der hessenARCHÄOLOGIE erscheinen.
     
  • Präsentation der Ergebnisse: Im Rahmen der „Zeiteninsel – Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land“ werden die Grabungsergebnisse für die wichtigsten Epochen in zunächst fünf sog. Zeitstationen in Form von originalgroßen Rekonstruktionen von Haus und Hof, eingebettet in die Kulisse der jeweils epochentypischen Vegetation und umgeben von landwirtschaftlichen Versuchsflächen, dargestellt werden. In diesem neuen Museum zum Anfassen, Ausprobieren und Mitmachen sollen die Erkenntnisse der Archäologie einem breiten Publikum im Wortsinne „begreifbar“ und „anschaulich“ vermittelt werden. Zugleich kann hier auch ein Forschungsinstitut für Siedlungsarchäologie in Hessen etabliert werden, dessen wissenchaftliche Arbeitsergebnisse unmittelbar vor Ort präsentiert und museal umgesetzt werden könnten.