Bodendenkmal – was ist das?

Bodendenkmäler nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz sind „[…] Kulturdenkmäler, die Zeugnisse menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Lebens von wissenschaftlichem Wert darstellen und die im Boden verborgen sind oder waren oder aus urgeschichtlicher Zeit stammen.“ (§ 2 Abs. 2 Satz 1 HDSchG).

Bodendenkmäler sind – durchaus in unterschiedlicher Dichte – nahezu überall vorhanden bzw. im Boden verborgen. In manchen Fällen sind sie sofort sicht- und erfahrbar, wie etwa ein vorgeschichtliches Hügelgrab im Wald, eine mittelalterliche Burgruine, ein großer Ringwall aus der Eisenzeit oder auch ein geowissenschaftlicher Aufschluss als paläontologisches Fenster in die Erdgeschichte. Solche sichtbaren Bodendenkmäler sind in vielen Fällen heute mit Informationstafeln versehen, werden von den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort gepflegt und als wichtiger Teil der lokalen Geschichte geschätzt.

Zu den Aufgaben des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen gehört auch der Schutz all jener Bodendenkmäler, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Dazu zählen vor allem frühere Siedlungsstellen, die sich oft erst zeigen, wenn etwa auf Ackerflächen verziegelte Lehmstücke und Scherben herausgepflügt werden. Beispiele „klassischer“ Bodendenkmäler sind auch frühmittelalterliche Gräberfelder, die in aller Regel heute obertägig nicht mehr sichtbar sind. Hier anführen lassen sich des Weiteren viele Befestigungsanlagen, deren Wälle und Gräben im Laufe der Jahrhunderte vollständig eingeebnet oder zugeschüttet wurden. Auch im Boden verborgene Zeugnisse der Technik- und Industriegeschichte der jüngeren Vergangenheit – etwa heute unter Wald liegende Bergbauspuren aus Vorgeschichte und Mittelalter – gelten als Bodendenkmäler. Schließlich fallen auch paläontologische Funde und Fossillagerstätten unter das Denkmalschutzgesetz.

Damit untrennbar verbunden ist natürlich auch der gesetzliche Schutz für archäologische Funde: So ist jeder Gegenstand, der aus früheren Zeiten stammt – Waffe, Schmuck, Gerät oder die einfache Scherbe und das verziegelte Wandstück eines abgebrannten Hauses – von wissenschaftlicher Bedeutung. Der einzelne Fund, egal welchen Materials, erhält seine Wertigkeit aber nur durch die Verbindung mit seiner genauen Fundstelle und der Kenntnis des ihn umgebenden Befundes. Selbst eine Goldmünze ist oft von geringem wissenschaftlichen Wert, wenn man nicht genau weiß, woher sie stammt.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft, innerörtliche Verdichtungen, Straßen- und Verkehrswegebau, aber auch durch den verstärkten Ausbau der regenerativen Energien sind Bodendenkmäler sowie die historisch gewachsene Kulturlandschaft Hessens in immer größerem Ausmaß gefährdet. Es ist die Aufgabe der hessischen Bodendenkmalpflege, diese Kulturdenkmäler als Quellen und Zeugnisse menschlicher Geschichte und Entwicklung zu schützen und zu erhalten und sie in die städtebauliche Entwicklung und Raumordnung einzubeziehen (§1 Abs. 1 HDSchG). Auch alle Nachforschungen, die geeignet sind, Bodendenkmäler zu gefährden, unterliegen daher der Genehmigungspflicht durch das Landesamt für Denkmalpflege.