Für Planer, Bauträger und archäologische Fachfirmen

Diese Informationen sollen für alle Beteiligten (Planer, Bauträger, Fachfirmen) als Wegweiser und Leitlinie für die Planung und den Leistungsumfang der Prospektionsmaßnahme und deren Dokumentation dienen. So ist bereits im Vorfeld in einem gewissen Umfang Planungssicherheit gewährleistet.

EV2012_33 0244_neu.jpg

Durch radial versetzte Profilschnitte sind exakte Aussagen über das ursprüngliche Aussehen des Grabens möglich
Nur durch radial versetzte Profilschnitte sind exakte Aussagen über das ursprüngliche Aussehen dieses Kreisgrabens möglich.

Geländeprospektionen durch archäologische Fachfirmen

Im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen für Baumaßnahmen unterschiedlicher Art (z. B. regenerative Energien, Straßen- oder Leitungstrassen sowie in BImSch-Verfahren) können mit Bezug auf die denkmalfachlichen Beiträge vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) fallbezogen zerstörungsfreie Geländeprospektionen gefordert werden.
In der hier als PDF zur Verfügung gestellten Übersicht werden die Mindestanforderungen, die seitens der Fachbehörde an die entsprechenden Prospektionsmaßnahmen und deren Dokumentation gestellt werden, zusammengefasst. Die Zusammenstellung soll für alle Beteiligten (Planer, Bauträger, Fachfirmen) als Wegweiser und Leitlinie für die Planung und den Leistungsumfang der Prospektionsmaßnahme sowie deren Dokumentation dienen.

Bei allen Geländeprospektionen handelt es sich nach Maßgabe des Hessischen Denkmalschutzgesetzes um genehmigungspflichtige Maßnahmen, für die eine Nachforschungsgenehmigung der Fachbehörde zu beantragen ist. Die Fachbehörde kann im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags eine Änderung bzw. Ergänzung der geplanten Maßnahme fordern. Auch können Nebenabreden erforderlich werden.
Nicht fachgerecht durchgeführte Prospektionsmaßnahmen bzw. unvollständige Fachgutachten/Dokumentationen können zur Versagung der notwendigen denkmalrechtlichen Genehmigung durch die Fachbehörde führen (Genehmigungsvorbehalt) und damit zu entsprechenden Verzögerungen bei der Projektplanung und –realisierung führen.
Die nachfolgenden Erläuterungen und Ausführungen ergänzen die grundlegenden Bestimmungen der Grabungs- und Prospektionsrichtlinien Archäologie.

Erläuterungen und Ausführungen zu Geländeprospektionen für archäologische Fachfirmen

1.) Qualifizierung der beauftragten Fachfirma

Die Fachfirma ist auf der BfK-Liste für das Bundesland Hessen ausgewiesen oder muss sich im Vorfeld einer Angebotsabgabe dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen mit ihren Referenzen vorstellen; der/die Prospektionsleiter/in verfügt über einen einschlägigen Hochschulabschluss sowie Praxiserfahrung gemäß den Bestimmungen der Grabungs- und Prospektionsrichtlinien Archäologie.

2.) Durchzuführende Arbeitsschritte

Quellenkundliche Recherche
Ausgangspunkt einer jeden Prospektionsmaßnahme ist die Einsichtnahme in das Ortsarchiv (Fundstellenarchiv) des LfDH sowie ggf. das Gespräch mit dem/der zuständigen Bezirksarchäologen/in. Weitere zu prüfende Quellen sind neben der archäologischen Fachliteratur ggf. auch kulturhistorische bzw. –geografische und ortsspezifische (heimatgeschichtliche) Werke.

Bei der Kartenauswertung sind alle relevanten Quellen zu berücksichtigen. Dies umfasst die Prüfung der aktuellen Topografischen Karte 1:25.000, der zugänglichen digitalisierten Altkarten (z. B. im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen LAGIS, www.lagis-hessen.de) sowie ggf. älterer Ausgaben der TK 1:25.000 (im LfDH möglich), ggf. die Auswertung thematischer Karten (etwa Bodenkarte 1:25.000/1:50.000), die Auswertung des (hochaufgelösten) LiDAR-Scans mit vier Beleuchtungsrichtungen und Filtern (Vorabprüfung über DGM 1 möglich: www.bodenviewer.hessen.de) sowie die Auswertung öffentlich zugänglicher Luftbilder einschließlich der Google Earth-Luftbilder.

Geländearbeiten
Dauer und geplanter Umfang der Geländearbeiten sowie Kontaktdaten der/des Prospektionsleiters/in (Mobiltelefon, E-Mail) sind der Fachbehörde möglichst tagesgenau mindestens 14 Tage im Vorlauf anzukündigen.

Die Prospektion des Untersuchungsgebiets wird zunächst durch Oberflächenbegehungen einschließlich der Begehung mit Metallsonden durchgeführt. Entscheidend für die Aussagefähigkeit der Ergebnisse ist u.a. die Wahl eines geeigneten Begehungszeitpunkts (möglichst außerhalb der Vegetationsperiode; Ackerflächen sollten gepflügt und abgeregnet sein – der Zustand ist im Begehungsprotokoll zu dokumentieren). Die Dokumentation der Prospektionsfunde, ggf. Einzelfundeinmessung und -kartierung sowie die weitere Versorgung des Fundmaterials erfolgen nach den Vorgaben der Grabungs- und Prospektionsrichtlinien Archäologie.

3.) Prospektionsbericht

Der nach Maßgabe der o. g. Grabungs- und Prospektionsrichtlinien Archäologie erstellte Prospektionsbericht kombiniert die Ergebnisse der Quellenprüfung mit der Auswertung und Interpretation des Befund- bzw. Fundbildes der Feldbegehungen. Er ist möglichst zeitnah, spätestens aber sechs Monate nach Beendigung der Maßnahme der Fachbehörde zu übergeben.
Der Bericht umfasst in Ergänzung zur Dokumentation der unter Punkt 2.) geforderten Inhalte alle grundsätzlichen Angaben zu Projektbezeichnung mit Kreis, Gemeinde, Gemarkung, ggf. Flur, Flurstück, sowie Datum der Abgabe. Maßstäblich sinnvoll abgestufte Lagekarten, Angaben zu Anlass, Zeitraum und Umfang der geforderten Untersuchungen, Auftraggeber, Verantwortlichen, Begehern sowie Autor. Das technische Tagebuch wird angehängt.

Weitere Elemente des Berichts:

  • Darstellung aktenkundiger sowie neu entdeckter Fundstellen in Listenform sowie in Plan bzw. Bild unter Angabe einer Fundstellen- oder Befundnummer und des Maßstabs. Hierbei sind die Zuordnungen etwa zu den betreffenden Korridoren von Windkraftanlagen, deren Zuwegungen sowie auch etwaige außerhalb befindliche Fundstellen in übersichtlicher Form hervorzuheben. Bei gemeinde- oder gemarkungsübergreifenden Analysen ist auf die korrekte Zuweisung der Fundstellen zu achten.
  • Alle Dokumentationsformate sind eindeutig den Fundstellen zuweisbar zu beschriften.
  • Verwendete Symbole, Abkürzungen und Zeichnungssignaturen sind in einer Legende zu erläutern. Bei der Farbauswahl der Symbole ist auf die eindeutige Unterscheidbarkeit zu achten.
  • Liste der Mittelpunktkoordinaten nach UTM (unter Angabe des verwendeten Systems) und Gauß-Krüger (unter Angabe der Zone) aller innerhalb der geforderten Schutzzone erfassten Befunde. Bei flächigen Befunden sind die Koordinatenangaben mit der Bezirksarchäologie abzusprechen.
  • Der denkmalfachliche Beitrag ist der hessenARCHÄOLOGIE durch die beauftragte Fachfirma ‒ gemäß der Berichtspflicht zur Nachforschungsgenehmigung (§22 HDSchG) ‒ auf direktem Wege, und spätestens bei der Abgabe der Unterlagen an den Auftraggeber, zur Verfügung zu stellen.
  •  Abgabe des Fachbeitrags als analoge ungeheftete Papierversion sowie als digitale Version (.pdf) auf CD/DVD .

Die hessenARCHÄOLOGIE behält sich Nebenabreden vor.