Bodendenkmal - Bauauflage?

Ist Ihre Planung als Planbetreiber oder Vorhabenträger seitens des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE, nach § 18 Abs. 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz als genehmigungspflichtig eingestuft worden? Die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde hat Ihr Projekt mit einer Maßnahme zum Schutz eines Bodendenkmals nach § 2 Abs. 2 HDSchG beauflagt, zu deren Kosten Sie als Planbetreiber/Vorhabenträger nach § 18 Abs. 5 HDSchG hinzugezogen werden? Dann lesen Sie bitte weiter.

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Hofheim (Main-Taunus-Kreis). Geophysik im Einsatz
Hofheim (Main-Taunus-Kreis). Geophysik im Einsatz

Der bestmögliche Schutz bekannter archäologischer Substanz ist in der Regel ihre Bewahrung im Boden. Dies ist jedoch verständlicher Weise in vielen Fällen nicht möglich, da übergeordnete Interessen – zumeist infrastrukturelle Bauvorhaben – bestehen. Nur in sehr wenigen Ausnahmen sind in Hessen bodendenkmalpflegerische Einwände der Grund für eine Ablehnung solcher Planungen. Zumeist wird vielmehr bei Bauplanungen, bei denen Bodendenkmäler betroffen sind, vorab eine bauvorgreifende archäologische Sondierung gefordert.
Für eine solche Untersuchung sind verschiedene und oftmals zerstörungsfreie Maßnahmen möglich. Zu diesen abgestuften Maßnahmen zählen Geländebegehungen, geophysikalische oder geoelektrische Prospektionen sowie kleine Sondageschnitte. Bei letzteren wird ein begrenztes "Flächenfenster" im Boden geöffnet, um die archäologische Befundsituation einschätzen zu können. Auch hier ist Planungssicherheit für alle Beteiligten alles: Denn die Ergebnisse solcher Voruntersuchungen ermöglichen es, notwendig werdende denkmalgerechte Ausgrabungen mit möglichst minimalem zeitlichen und finanziellen Aufwand durchzuführen. Möglicherweise resultiert daraus auch lediglich eine reine archäologische Baubegleitung, die parallel zum laufenden Baubetrieb durchgeführt werden kann.

Das Bodendenkmal wird zwar durch eine solche fachgerechte Untersuchung auch gänzlich oder in Teilen zerstört – dies aber geschieht bei einer nach aktuellen Standards durchgeführten Maßnahme, bei der alle im Boden erhaltenen archäologischen Spuren ausführlich dokumentiert werden und das Fundmaterial sachgerecht geborgen wird. Das Bodendenkmal und damit unser gemeinsames historisches Erbe bleibt damit – in Form einer fachgerechten Dokumentation – für die Gesellschaft als lesbare und interpretierbare Sekundärquelle erhalten. Die Fachbehörde wägt bestmöglich eine erforderliche Maßnahme nach den bestehenden Kenntnissen bzw. nach vorausgegangenen Gutachten (§ 20 Abs. 1 Satz 2 HDSchG) ab. Der geforderte Maßnahmenumfang wird stets fallbezogen und auf Basis aller verfügbarer Informationen empfohlen. Es gibt also keine genormte „Standard-Ausgrabung“.

Die archäologische Landschaft in Hessen reicht von den frühesten menschlichen Spuren aus der Zeit vor etwa 600.000 Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg. In archäologischen Funden und Befunden spiegeln sich eine Vielzahl von Kulturen mit ihren jeweiligen Ansiedlungen, Gräbern und technischen Hinterlassenschaften. Bodendenkmalpflegerische Untersuchungen müssen daher von fachlich spezialisierten Archäologinnen und Archäologen durchgeführt werden.
Archäologische Untersuchungen zumeist mehrjähriger Dauer mit großem personellen und technischen Einsatz sind jedoch durchaus möglich: Beispiele hierfür sind aufwändige Forschungsgrabungen, die etwa von Universitäten durchgeführt werden. Hingegen handelt es sich bei Untersuchungen und Ausgrabung, die als denkmalrechtliche Bauauflagen mit der Fachbehörde abgestimmt werden, in der Regel um Rettungsgrabungen, die auf eine zügige Dokumentation der wesentlichen Kulturgüter im Boden begrenzt sind. Einen Grabungsleitfaden (Stand 2017) für Vorhabenträger und archäologische Fachfirmen mit weiteren Erläuterungen zur Durchführung einer Ausgrabung finden Sie am Ende dieses Textes.

Häufig gestellte Fragen

- Wer kann in Hessen eine solche Untersuchungen für mich durchführen?
Eine aktuelle Zusammenstellung der in Hessen für Prospektionen und Ausgrabungen zugelassenen Fachfirmen finden Sie beim Bundesverband für freie Kulturschaffende unter http://www.b-f-k.de/pdf/grabfirm_hessen.pdf.
Bei Großprojekten - etwa dem Bau von Umgehungsstraßen oder Gasleitungen - können die erforderlichen Untersuchungen auch durch die Fachbehörde selbst erfolgen.

- Ab welcher Tiefe beginnen archäologische Befunde?
Falls vor Ort keine erosionsbedingten Deckschichten („Kolluvien“) auf der ursprünglichen Geländeoberfläche liegen, können archäologische Befunde unmittelbar unter der heutigen Grasnarbe liegen. Vielfach kann die oberste Schicht (der Mutterboden) durch den Pflug gestört sein; diese Schicht wird in der Regel maschinell mit dem Bagger abgezogen. Bodendenkmäler können sich aber durchaus auch unterhalb von planierten Oberflächen, geteerten Versiegelungen oder unter heutigen Hausbauten noch erhalten haben.

- Was sind geophysikalische Prospektionen?
Unter geophysikalischen Prospektionen versteht man drei moderne, zerstörungsfreie Untersuchungsmethoden: die Geomagnetik, die Geoelektrik und das Bodenradar. Sie ermöglichen es, ohne Bodeneingriff und vergleichsweise schnell gewissermaßen "in den Boden hinein sehen" zu können.

  • Die Geomagnetik basiert auf den Eigenschaften des Erdmagnetfeldes: Jede in der Vergangenheit angelegte und wieder verfüllte Grube, jeder Graben o.ä. führt zu einer mehr oder weniger deutlichen, kleinräumigen Störung dieses Magnetfeldes. Mit speziellen Messsonden lässt sich das Magnetfeld systematisch erfassen und – ähnlich einem Ultraschall- oder Röntgenbild – darstellen. So können Spuren früherer Bodeneingriffe sichtbar werden.
  • Die Geoelektrik macht mittels in den Boden gesteckter Sonden, zwischen denen ein elektrisches Spannungsfeld erzeugt wird, im Boden befindliche Störungen wie zum Beispiel Mauern sichtbar. Diese Methode eignet sich nicht bei felsigem Untergrund; sie ist auf die Messfläche gerechnet zeitaufwändiger und damit teurer als eine geomagnetische Prospektion.
  • Beim Georadar kommt ein elektromagnetisches Impulsreflexionsverfahren zur Anwendung. Dabei werden kurze elektromagnetische Impulse in den Untergrund gesandt und wieder empfangen. Auf diese Weise erhält man einen tiefenauflösenden, senkrechten Schnitt. Mittels mehrerer Schnitte kann man so eine Struktur in einer bestimmten Tiefe darstellen.

Verschiedene Faktoren können das Messergebnis solcher geophysikalischer Untersuchungen beeinflussen: aufgelagerte Erosionsschichten, Metallreste im Boden, Kies- und Schotterschichten, das Gestein des Untergrunds, nahegelegene Hochspannungsleitungen, Straßen sowie Kabel und Rohre beeinflussen die Messungen. Ein geophysikalisches Gutachten bietet daher zwar keinesfalls absolute Sicherheit darüber, was sich im Boden verbirgt, lässt aber vielfach eine Einschätzung der zu erwartenden archäologischen Befunde und des daraus resultierenden Aufwandes für eine möglicherweise notwendige archäologische Ausgrabung zu. Messungen sind sogar auf bereits eingesäten Äckern möglich, bessere Ergebnisse sind jedoch bei abgeernteten Flächen oder auch Wiesen zu erwarten. Für bewaldete Bereiche eignen sich die Methoden nicht.

- Kann man nach der archäologischen Ausgrabung dann das Baufeld ungehindert nutzen?
Ja – im Regelfall werden archäologische Befunde ausgegraben und dokumentiert, wonach der untersuchte Bereich anschließend, meist ohne weitere Beauflagung seitens der Unteren Denkmalschutzbehörden, freigegeben wird. Bei Umplanungen, etwa Vergrößerungen der Baufläche oder wenn eine weitere Abtiefung der Baugrube notwendig wird, können ggf. weitere Untersuchungen notwendig werden. Nur in seltenen Ausnahmen kann eine Ausgrabung zur Folge haben, dass es danach zu baulichen Einschränkungen kommt bzw.– in enger Zusammenarbeit und Absprache zwischen Investor und Denkmalschutzbehörde – Umplanungen notwendig werden. Als Beispiel seien freigelegte spektakuläre, gut erhaltene Baubefunde angeführt, die sich in Einzelfällen in einen Neubau integrieren lassen (etwa der Archäologische Garten oder der Turm der Affensteiner Warte, beide im Stadtkern von Frankfurt am Main).