Aktuelles aus der nordhessischen Bezirksarchäologie

Die hessenARCHÄOLOGIE an der Außenstelle in Marburg betreut die archäologischen Bodendenkmäler in acht nord- und mittelhessischen Landkreisen.

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Foto Die obersten Erdschichten werden zunächst mit dem Bagger abgetragen.
Archäologie in der Kiesgrube bei Niederweimar bei Marburg. Seit 1997 finden hier in der Lahnaue Ausgrabungen statt. 2019/20 wurden sechs Hektar untersucht, wobei Überreste von spätbronzeitlichen Urnengräbern und Siedlungsgruben zutage kamen.

Die seit einigen Jahren anhaltend starke Bautätigkeit in den meisten Städten und Gemeinden in unserem Arbeitsgebiet verursachte dementsprechend zahlreiche Ausgrabungen und geophysikalische Prospektionen. Besonders auch die Entwicklung zahlreicher Windparks, vorwiegend in den ausgedehnten Waldgebieten, führte zu umfangreichen archäologischen Voruntersuchungen. Die zahlreichen Ausgrabungen und Prospektionen standen unter der Fachaufsicht der hessenARCHÄOLOGIE oder deren Mitarbeiter und wurden jedoch überwiegend von archäologischen Fachfirmen durchgeführt.

Archäologie in Nordhessen

In den drei nördlichsten Landkreisen fanden Ausgrabungen in vorgeschichtlichen Siedlungen (Witzenhausen, Unterrieden), Altstadtkernen (Rotenburg an der Fulda, Eschwege und Liebenau), an Kirchen und Klöstern (Stiftskirche Oberkaufungen und Kloster Helmarshausen) wie auch an Einzelobjekten (Schloss Nesselröden) statt. Ganz ohne Bodeneingriffe gelang der Nachweis mittelalterlicher Wüstungskirchen bei Immenhausen im Landkreis Kassel (Wüstung Reinersen), Neu-Eichenberg Hebenshausen im Werra-Meißner-Kreis (Wüstung Bremerode) und Bebra-Rautenhausen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg mittels geophysikalischer Messungen.
Der Weiter- bzw. Neubau der BAB A49 beschäftigte die hessenARCHÄOLOGIE gleich in drei Landkreisen - Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg – mit Prospektionen, Vorabsondagen und baubegleitenden Untersuchungen an vorgeschichtlichen Grabhügeln, Siedlungen und mittelalterlichen Töpfereistandorten. Zuletzt musste in Lehrbach (Gemeinde Kirtorf) nahezu der gesamte Produktionsbereich der Wüstung Baldersdorf mit zahlreichen außergewöhnlich gut erhaltenen Töpferöfen ausgegraben werden, bevor alles unter die Räder kommt. Die archäologische Begleitung der Marktplatzneugestaltung in der Stadt Alsfeld führte zur Entdeckung des hochmittelalterlichen Rathauses, dem Vorgängerbau des berühmten historischen Rathauses der Stadt. In Fulda konnten unter der Ägide der Kreisarchäologie am Rande der Fuldaaue unter Feuchtbodenbedingungen mit exzellenter Holzerhaltung neben neuzeitlichen Installationen der Fischereiwirtschaft vor allem die Ablagerungen eines katastrophalen Hochwasserereignisses in karolingischer Zeit dokumentiert werden, bei dem offenkundig mehrere Mühlen zerstört worden waren.
Im Landkreis Waldeck-Frankenberg wurden bei bauvorgreifenden Untersuchungen Siedlungsreste der frühen Eisenzeit in Willingen-Schwalefeld oder Spuren einer ehemaligen mittelalterlichen Siedlungsstelle in Diemelstadt-Rhoden geborgen. In der Marburger Altstadt konnten 2020/21 die langjährigen archäologischen Untersuchungen im ehemaligen mittelalterlichen Hospitalbereich und späteren Deutschordensgelände im Umfeld der bekannten Elisabethkirche abgeschlossen werden. Im Zuge des fortschreitenden Kiesabbaus in der Lahnaue bei Weimar-Niederweimar (Kr. Marburg-Biedenkopf) werden seit 1997 großflächige Grabungen durch die hessenARCHÄOLOGIE und seit 2020 auch durch eine archäologische Fachfirma durchgeführt. 2019/20 wurden hier auf einem sechs Hektar großen Areal Siedlungsspuren und Grablegen der spätbronzezeitlichen Urnenfelderzeit und der frühen Eisenzeit (Hallstattkultur) ausgegraben.


Die sich stetig ausweitende Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat auch in jüngster Zeit die Zahl der bekannten Bodendenkmäler weiter anwachsen lassen. Mit aktuell rund 11.050 erfassten Fundstellen im Zuständigkeitsbereich der Marburger Dienststelle ist das Ende der Fahnenstange zweifellos noch nicht erreicht. Jedenfalls gilt es, diesen Bestand zu inventarisieren, zu pflegen und für künftige Generationen zu bewahren.

Dr. Christa Meiborg, Dr. Eveline Saal und Dr. Andreas Thiedmann, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE
07.11.2021