Ein Gürtelhaken der späten Eisenzeit aus dem römischen vicus von Okarben

In der wechselvollen römischen Geschichte der Wetterau spielt Okarben eine besondere Rolle. Abgesehen von den frühen augusteischen Militärlagern gehört das Kastell von Okarben zu den ältesten Militäranlagen der Wetterau. Die Gründung erfolgte bereits in frühflavischer Zeit unter Kaiser Vespasian. Ausschlaggebend dürfte die verkehrsgünstige, zentrale Lage in der fruchtbaren Wetterau gewesen sein. Hier kreuzten sich mehrere wichtige Straßenrouten.

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Foto Ein spätlatènezeitlicher Lochgürtelhaken aus Bronze
Der spätlatènezeitliche Lochgürtelhaken aus Bronze - Fundort Okarben, Wetteraukreis.

Bedauerlicherweise gehört auch dieser wichtige Fundplatz zu den bereits im Mittelalter und der Neuzeit stark überbauten Orten. Die rege Bautätigkeit des 19. und 20. Jahrhunderts hat ein Übriges getan, sodass es nur noch wenige Bereiche innerhalb Okarbens gibt, an denen Spuren der römerzeitlichen Besiedlung dokumentiert werden können. Dies gilt sowohl für das eigentliche Lager als auch den südlich vorgelagerten vicus. 

Eine solche Möglichkeit ergab sich bei der geplanten Bebauung eines der letzten noch freien Grundstücke im Bereich des Lagervicus. Bei einer archäologischen Untersuchung konnten neben typischen Bebauungspuren in Form von Gräbchen und Pfostengruben auch zwei Brunnen aufgedeckt werden. Zahlreiches Fundmaterial wurde geborgen. Darunter auch ein bemerkenswerter Einzelfund aus einer römischen Siedlungsschicht: Ein prachtvoller spätlatènezeitlicher Lochgürtelhaken aus Bronze. Das Stück hat eine Länge von 14,3 cm und ist leicht gebogen. Am Lederband befestigt wurde es mit zwei Nieten, wobei das Leder in eine rechteckige Aussparung zu liegen kam. Das Endstück weist Verzierungen auf, auch der nach oben gebogene Haken selbst, scheint verziert worden zu sein. Der Gürtelhaken ist aus unterschiedlichen Einzelstücken zusammengesetzt worden. Auf jeder Seite bilden jeweils zwei U-Förmige, bronzene Drähte den seitlichen Abschluss. Darauf sind insgesamt acht nietartige Aufsätze an den seitlichen Enden angesetzt. Diese sind rundlich und von breiten Rillen durchzogen.

Ähnliche Gürtelhaken sind u. a. aus Bayern bekannt. Hier stammen sie aus spätestlatènezeitlichen Gräbern und werden mit der frühen germanischen Besiedlung in Zusammenhang gebracht. Diese Lochgürtelhaken gehören zur Frauentracht. Nichts spricht dagegen, dass auch das Okarbener Stück aus einem solchen Grab stammen könnte. Vermutlich beim Bau des vicus von Okarben, oder bei Umbaumaßnahmen wurde das Grab gestört und durch Umlagerungen gelangte das prächtige Stück in die römische Schicht.

Es hat also mehr als ein glücklicher Zufall dazu geführt, dass dieser Gürtelhaken bis in unsere Tage überliefert wurde.

Dr. Jörg Lindenthal, Archäologische Denkmalpflege Wetteraukreis
Hardy Prison, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE
12.11.2021