Neue Wege für den Dünsberg

Der Dünsberg beherrscht weithin sichtbar das mittlere Lahntal. Auf dem kuppelartigen aufragenden Berg errichteten die Kelten eine ihrer stadtähnlichen Siedlungen, ein Oppidum. Weiter Siedlungshinterlassenschaften sind aus der Urnenfelderzeit und der Völkerwanderungszeit bekannt. Der markante, nahezu vollständig von Wald bedeckte Berg bei Gießen zieht auch heutzutage als beliebtes Freizeitziel die Menschen in seinen Bann.

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Foto Innerer Ringwall mit Toranlage
Innerer Ringwall mit Toranlage.

Vor diesem Hintergrund stellen der Schutz des weit über Mittelhessen hinaus bedeutenden Denkmals, die gleichzeitige forstliche Bewirtschaftung der großen Waldfläche sowie der umfangreiche Erholungsverkehr eine große Herausforderung dar.

Schon die ersten archäologischen Ausgrabungen ab 1906 durch das Museum Wiesbaden ließen das große archäologische Potential des Dünsbergs deutlich werden. Jedoch spätestens seit den Ausgrabungen der Römisch-Germanischen- Kommission ab 1999 war es klar, dass nicht nur mit zahlreichen Funden, sondern auch mit einer guten Erhaltung der architektonischen Strukturen und wichtigen Erkenntnissen zu den kulturellen Verhältnissen im 1. Jahrhundert vor Christus gerechnet werden muss.

Deutlich im Gelände erkennbar ist das aus drei konzentrischen Ringwällen aufgebaute Befestigungssystem mit insgesamt 14 Tordurchlässen, das den gesamten Berg umspannt. Diese Wälle sind Ruinen von Befestigungsmauern und waren zumeist ohne Steinverblendung, nur in Schalenbauweise aus vergänglichen Holzbalken mit Erdauffüllung, konstruiert. Der innere Ringwall, nahe der Bergkuppe, mit noch bis zu 10 m hoher Erhaltung, illustriert die imposante Mächtigkeit der vorgeschichtlichen Maueranlagen. Der äußere Wall der spätkeltischen Stadtanlage umschließt ein Areal von ca. 90 ha, in das mindestens zwei Wasserquellen zur Sicherung der Wasserversorgung miteingeschlossen sind. Deutlich zeichnen sich auch zahlreiche Podien – an den zum Teil steilen Hängen des Berges angelegte, ebene Flächen – im Gelände ab, die als Hausstandorte innerhalb der Befestigung dienten.

Nicht zuletzt diese vorgeschichtlichen Geländemerkmale ließen den Dünsberg in den letzten Jahren zu einem attraktiven Trainingsareal für Mountainbiker werden. Um dauerhafte Schäden am Bodendenkmal durch die ungeregelte Befahrung des Berges zu vermeiden und um Verkehrssicherheit für die zahlreichen Radfahrer und Wanderer zu gewährleisten, wurde in einem mehrjährigen Prozess, moderiert durch HessenForst, Forstamt Wettenberg, unter enger Beteiligung der Gemeinde Biebertal, welche die Trägerschaft des Projektes übernommen hat, dem regionalen Mountainbikeverein und der hessenARCHÄOLOGIE, ein neues Radwegekonzept für den Dünsberg entworfen. Der neu entstandene Entmischungsplan sieht nun einen festgelegten „Mountainbike Trail“ vor, bei dessen Anlage darauf geachtet wurde, dass die vorgeschichtlichen Wälle nicht gequert und nur bestehende Tordurchlässe für die Streckenführung genutzt werden. Die neue Wegeführung wurde von der hessenARCHÄOLOGIE intensiv prospektiert.  Dabei konnten zahlreiche Funde, insbesondere Scherben und Mahlsteinfragmente, aber auch Metallfunde gesichert werden, die eine dichte Besiedlung des Dünsberges unterstreichen. Zudem konnten so besonders sensible Areale des Berges mit hoher Dichte an archäologisch bedeutsamen Hinterlassenschaften ganz aus der Befahrung herausgenommen werden. Der engen Zusammenarbeit von hessenARCHÄOLOGIE und dem Forstamt Wettenberg ist eine größere Sensibilität für die jeweiligen Belange erwachsen. Enge Abstimmungen und langfristige Planungen gewährleisten eine forstliche Bewirtschaftung, die dem bedeutenden Bodendenkmal Dünsberg gerecht wird. Die neuen Ergebnisse sollen einerseits in die Neuaufstellung der langfristigen Forsteinrichtungsplanung einfließen und so den Schutz des Bodendenkmals langfristig sichern.

Die positiven Erfahrungen der engen Kooperation machen gleichzeitig Hoffnung, dass der angestoßene fruchtbare Prozess in den folgenden Jahren fortgeführt und das Radwegekonzept um ein darauf abgestimmtes Wanderwegekonzept ergänzt sowie eine Weiterentwicklung der denkmaltouristischen Inwertsetzung realisiert werden kann.

Dr. Sandra Sosnowski, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE
10.11.2021