Die Suche nach Kabeln

Die Suche nach oberirdischen Objekten, die der Bunkerlinie der sogenannten Wetterau-Main-Tauber-Stellung (WMTS) zuzurechnen sind, kann auch für unter der Erde liegende Strukturen zum Ziel führen. So sind zum Beispiel sichtbare Teile der Telekommunikation wie Kabelmerksteine aufgrund ihrer Größe und Lage nur schwer wiederauffindbar. In mehreren Begehungen wurde nun versucht, sich von der Lage der noch vorhandenen unterirdischen Kabel an die „Objekte der Begierde“ führen zu lassen.

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Foto Das Kabelwarnband war aus PVC hergestellt worden und hat eine Breite von 16mm, vertrieben wurde es unter der Bezeichnung Protodur. Auch rund 85 Jahren nach seiner Verlegung ist es immer noch weich und flexibel.
Das Kabelwarnband war aus PVC hergestellt worden und hat eine Breite von 16mm, vertrieben wurde es unter der Bezeichnung Protodur. Auch rund 85 Jahre nach seiner Verlegung ist es immer noch weich und flexibel.

Die Landesaufnahme der Strukturen der Wetterau-Main-Tauber-Stellung in Hessen ist ein anhaltender Prozess, in dem sich die Suche zunehmend diffiziler und aufwendiger gestaltet.

Große Bauwerke wie Bunker sind verhältnismäßig einfach zu lokalisieren und stellen die Sucher nur in einzelnen Fällen vor größere Probleme. An der durch vorhandene Pläne vorgegebenen Stelle findet sich das Bauwerk sofort oder es ist zu klären, warum es nicht mehr auffindbar ist. 

Völlig anders hingegen gestaltet sich die Suche nach kleineren Bauteilen der Kommunikationsinfrastruktur wie z.B. Kabelbrunnen oder den dazu gehörigen Kabelmerksteinen. Noch vorhandene Pläne weichen oftmals voneinander ab und die Kleinteiligkeit dieser Objekte begünstigt ihre Zerstörung. Neben der allgemeinen Bautätigkeit sind sie auch durch den Einsatz von größeren Maschinen in der Forstwirtschaft gefährdet.

Während die größeren Kabelbrunnen noch eher auffallen, sind die nur rund 20 x 20 cm großen und nur wenig aus dem Boden ragenden Kabelmerksteine sehr schwer zu entdecken. Da auch heute noch die Telefonkabel im Boden liegen, lag es nahe, moderne Kabelsuchtechnologie einzusetzen. Die Idee dahinter ist, von einem Kabelbrunnen ausgehend, dem Kabel zu folgen und so die Merksteine quasi ablaufen zu können. Oder, umgekehrt von einem bekannten Merkstein ausgehend, den nächsten noch unbekannten Kabelbrunnen zu finden.
In Zusammenarbeit mit den beiden langjährigen ehrenamtlichen Bunkerforschern Oliver Schlitz und Gerhard Ploog wurden mehrere Begehungen dieser Art durchgeführt. Die hierbei gewonnenen Erfahrungen sollen an dieser Stelle kurz vorgestellt werden.

Ein Kabelsuchgerät ist eine Art Empfänger, der ein Signal, welches von einem Sender abgestrahlt wurde, aufnimmt und dies über ein akustisches und optisches Signal anzeigt. Der Sender, auf dem Boden stehend, ist ab einer gewissen Entfernung nur noch über das im Boden liegende Kabel zu empfangen. Im vorliegenden Fall war die Idee, vom nördlich des Büdinger Tierparks liegenden Kabelbrunnen Büdingen M ausgehend, dem Kabelverlauf zu folgen und so den südöstlich davon liegenden Büdingen N aufzufinden. Dessen Lage ist prinzipiell bekannt, doch weichen die Angaben zum Verlauf in zwei vorliegenden Karten  voneinander ab und es besteht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass der Kabelbrunnen beim Ausbau eines Waldweges zerstört oder überdeckt wurde.

Das Signal war beim Kabelbrunnen sehr deutlich und auf einer Länge von rund 120 Meter stabil zu empfangen. Selbst ein kleiner Bachlauf, der die Kabeltrasse querte, störte das Signal nicht. Dennoch konnte das Signal bereits wenige Meter danach nicht mehr empfangen werden. Zunächst wurde vermutet, dass eine Kiesablagerung verantwortlich wäre, doch konnte das Signal weiter südlich, auch bei normalen Bodenverhältnissen, nicht wieder aufgenommen werden. Im weiteren Verlauf nach Süden konnte an zwei Stellen Warnband, das in kleinen Quergräben freigespült worden war, entdeckt werden. Dadurch ist nun davon auszugehen, dass die Planunterlage mit den südlicher verlaufenden Kabeltrassen die "aktuellere" Karte von beiden ist.

Wieso jedoch das Signal nicht mehr vorhanden war, ist unklar. An den Bodenverhältnissen kann es nicht gelegen sein, wie die ersten erfolgreichen Messungen gezeigt haben. Eine Abdeckung durch Schutzeisen ist zumindest in dem Bereich bis zu den freigespülten Warnbändern nicht vorhanden. Eine kleine Sondierung legte das Doppelkabel frei, ohne dass eine derartige Abdeckung vorhanden gewesen wäre. Eine bereits früher, im Bereich des Niedermittlauer Heiligenkopf durchgeführte Begehung hatte gezeigt, dass die Telefonkabel unter Schutzeisen nicht zu orten sind, da vermutlich die abschirmende Wirkung der Schutzeisen zu stark ist.

Fazit: Nach einer Reihe inzwischen durchgeführter Begehungen kann festgestellt werden, dass der Einsatz eines Kabelsuchgerätes durchaus ein probates Mittel zur Ortung derartiger Doppelkabel ist, wenn auch nicht immer ein 100%iges Ergebnis erzielt werden kann, denn bei Kabeln unter Schutzeisen ist ein Signalempfang nicht immer garantiert.

Hans Szédeli. M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE
10.11.2021