Die Maschinenzentrale in Bad Nauheim

Als 1906 die Maschinenzentrale des Kraftwerks in Bad Nauheim als Vorbote eines Ensembles technischer Einrichtungen eröffnet wurde, war sie ihrer Zeit voraus. Die moderne Anlage wurde zur Versorgung des nahen Sprudelhofes errichtet, was sich in ihrer Gestaltung niederschlug. Über 70 Jahre versorgten die Dampfturbinen des Technikbaus den Sprudelhof mit Wärme und Strom, die Anlage stellte sogar das Eis für den Kurbetrieb her. 1978 wurden die Turbinen zugunsten einer Erdgasversorgung modernisiert.

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Foto der Schalttafel der Maschinenzentrale in Bad Nauheim.
Noch immer zu bestaunen: Die histortische Schalttafel des Heizkraftwerkes.

Nur ein Jahr dauerte der Bau der Maschinenzentrale am Goldstein, die 1905-06 östlich des Bad Nauheimer Bahnhofs entstand. Verantwortlich für den Entwurf des Technikbaus zeigte sich der gebürtige Darmstädter Architekt Wilhelm Jost, der sich als Großherzoglicher Regierungsbauinspektor bereits wenige Jahre zuvor durch ein Inhalatorium in Bad Nauheims verewigte und später vor allem durch seine Bauprojekte in Halle (Saale) auf sich aufmerksam machte. Unterstützung für das großherzoglich beauftragte Projekt erhielt Jost durch die Architekten der Großherzoglichen Bauverwaltung in Darmstadt, Marx und Kraft.

Während das Kesselhaus der Anlage sich durch seine großflächige Verglasung klar als Technikbau präsentierte, zogen Details wie die in Kupfer gefangenen Abzüge den Blick vor allem durch ihren Dekorreichtum auf sich und stellten damit den gestalterischen Bezug zum Sprudelhof und der Kurästhetik Bad Nauheims her. Der gesamte, durch einen großen, bauchigen Schornstein dominierte, Bau zeichnet sich durch sein ambivalentes Spiel zwischen technischer Zweckmäßigkeit und jugendstilhaftem Detailreichtum aus.

Auch technisch präsentierte sich die Maschinenzentrale auf der Höhe ihrer Zeit. Gewaltige Kessel und modernste Dampfturbinen sicherten über einen Tunnel die Versorgung des überregional bedeutenden Sprudelhofes. Als sich 1978 die Dampfturbinen nicht mehr als zeitgemäß herausstellten, bedeutete dies jedoch nicht das Ende des heutigen Kulturdenkmals. Noch heute versorgt es über 1000 Haushalte mit Strom und Wärme, nun jedoch mit einem moderneren Blockheizkraftwerk, ohne dabei seine historischen Wurzeln zu verstecken. So steht noch immer einer der ursprünglichen drei stillgelegten Kohlekessel und auch die historische Schalttafel ist weiterhin zu bestaunen.

Mit dem Denkmal des Monats stellen wir Ihnen in diesem Jahr verschiedenste bedeutende Industrie und Technikdenkmäler in Hessen vor. Die Anlagen und Einzeldenkmäler sind Zeugen der industriellen- und wirtschaftlichen Entwicklung Hessens und geben einen Einblick in den Erfindungsreichtum vergangener Zeiten. Das weite Feld der Industrie- und Technikdenkmäler reicht dabei von landschaftsprägenden Brücken und Staudämmen bis zu faszinierenden Uhrwerken und innovativen Produktionsmaschinen.

Lars Görze M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen
28.02.2022