Die Kaiser-Friedrich-Therme in Wiesbaden

Als eine der ältesten Kurstätten Europas kann Wiesbaden auf ein reichhaltiges Kurwesen blicken. Für diesen Monat richten wir den Blick auf eines der bedeutendsten Wiesbadener Kurgebäude des frühen 20. Jahrhunderts: die Kaiser-Friedrich-Therme in Wiesbaden, unser Denkmal des Monats.

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Foto Das irisch-römische Bad der Kaiser-Friedrich-Therme in Wiesbaden
Bis heute konnte sich das irisch-römische Bad der Kaiser-Friedrich-Therme in Wiesbaden in wesentlichen Zügen erhalten.

Bereits die Römer wussten in der Antike die heißen Quellen am Rhein zu schätzen, wie der römische Name „Aquae Mattiacae“ zu erkennen gibt. Mehrere Thermenanlagen aus dieser Zeit konnten durch die Archäologie nachgewiesen werden. Nach dem Abzug der Römer konnte erst ab dem 13. Jahrhundert wieder eine Nutzung der Quellen durch Bade- und Logierhäuser nachgewiesen werden.

Eine besondere Epoche beginnt für die Wiesbadener Kurgeschichte nach der Annexion Nassaus durch Preußen im 19. Jahrhundert. Die neu gekrönte „Königin aller Bäderstädte“ erlebte durch die Besuche der Hohenzollernkaiser eine Blütezeit, die sich auch in einem gesteigerten Bedürfnis nach modernen und repräsentativen Badestätten widerspiegelte. Der Regierungssitz zieht eine betuchte Gesellschaft an und Fürsten aus ganz Europa besuchen die neu entstehenden Badehotels und Kuranlagen.

Das 1909–13 errichtete Kaiser-Friedrich-Bad war eines dieser für die Bedeutung der Stadt wegweisenden Gebäude. Architekt August Pauly präsentierte auf dem Gelände des einstigen Hotels Adler den Entwurf eines neoklassizistischen Gebäudes, das durch Brechung im Sezessionsstil seinen eigenen spröden Reiz gewann. Obgleich die Dachzone und Teile der Ausstattung nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt werden mussten und vieles im Inneren Renovierungen zum Opfer fiel, so konnte sich vor allem das bekannte irisch-römische Bad mit seiner markanten keramischen Ausgestaltung in wesentlichen Zügen bis heute erhalten.

Mit dem Denkmal des Monats stellen wir Ihnen unter unserem Jahresmotto „Kurorte 2021“ bedeutende Kuranlagen in Hessen vor. Die kunstvoll gestalteten Zentren der hessischen Kurlandschaft waren in früheren Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil des Gesundheitswesens und schufen eine heilsame Umgebung, die ganz dem Wohlergehen und dem Müßiggang diente.

Lars Görze M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen
09.12.2021