Die Gradierwerke in Bad Nauheim

Die Gradierwerke von Bad Nauheim blicken auf eine bis ins 16. Jahrhundert reichende Geschichte zurück. Sie gehörten bereits zum Stadtbild, ehe wir in Hessen von der Entwicklung des Kurbadens sprechen können. Für diesen Monat richten wir den Blick auf die „dunklen Riesen“ in Bad Nauheim, unser Denkmal des Monats.

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Gradierwerke in Bad Nauheim.
Die „dunklen Riesen“ sind bis heute fester Bestandteil des Selbstverständnisses Bad Nauheims als Kurstadt.

Im 18. Jahrhundert fanden sich noch 23 Gradierbauten in Bad Nauheim, zurückgehend bis ins 16. Jahrhundert. Heute sind es nur noch fünf, sie zählen zu den letzten verbliebenen historischen Werken in Hessen. Mehrfach wurden diese im Laufe der Zeit umgebaut und dennoch geben sie uns auch heute noch wertvolle Einblicke in die Stadtgeschichte und die Technik der Gradierwerke. Ursprünglich bestanden diese aus Stroh und Schilf, später wurde die Nauheimer Sole über Gerüste aus mit Schwarzdorn behandeltem Holz geleitet. Dabei verdunstete ein Teil des salzhaltigen Quellwassers, der sogenannten Sole. Der Salzgehalt der Sole stieg dadurch stetig an, während sich gleichzeitig Salzkristalle in der Luft absetzten.

Dienten die Gradierwerke zuerst primär der Salzgewinnung, wurde diese frische, salzhaltige Luft der Werke im Laufe der Zeit für den Kurbetrieb immer wichtiger. Denn die feinen Salzkristalle wirken sich positiv auf die Atemwege aus und fördern so die Gesundheit der Kurgäste. Auch heute noch sind die „dunklen Riesen“ fester Bestandteil des Selbstverständnisses Bad Nauheims als Kurstadt. Drei der verbliebenen Werke waren einst Bestandteil der sogenannten „Langen Wand“, einer mehrere hundert Meter langen Reihe von Gradierwerken. Diese schließen noch immer den Turm einer aus dem 18. Jahrhundert stammenden Windmühle ein, der einst half, die Sole auf die Werke zu leiten.

Lars Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen
05.02.2021