Der Brunnentempel in Hanau Wilhelmsbad

Es war ein ambitioniertes Unterfangen, das Wilhelm I. von Hessen-Kassel in seiner Zeit als Graf von Hanau in Angriff nahm. Eine großflächige Park- und Badeanlage ließ er von Franz Ludwig Cancrin errichten, mit Karussell, Burgruine und Pyramide. Zentral für die 1779 eröffnete Kurstätte war auch in Wilhelmsbad die heilsame Quelle. Für den Monat Juni werfen wir einen genaueren Blick auf den Brunnentempel in Wilhelmsbad – unser Denkmal des Monats.

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Der Brunnentempel in Wilhelmsbad, rechts im Bild die Kurgebäude
Der Brunnentempel in Wilhelmsbad wurde im gleichen Stil wie das dahinterliegende Kurgebäude entworfen. Auf seinem Dach wacht Asklepios, der griechische Gott der Heilkunst, über die Quelle.

Bereits seit 1709 fanden sich provisorische Bauten um eine zufällig entdeckte Quelle im Wachenbucher Wald. Doch erst mit dem Fund einer zweiten Quelle rückte das Gelände in den Blick Wilhelms I., welcher die Quellenanlage umfänglich ausbauen ließ. Seit dieser Zeit, dem Jahr 1779, etablierte sich auch der heutige Name Wilhelmsbad.

Der neue Brunnentempel wurde im gleichen Stil wie das dahinterliegende Kurgebäude entworfen. Ein sechsseitiger, über Rundbögen erschlossener Putzbau, auf dessen Dach Asklepios, der griechische Gott der Heilkunst, mit seinem ikonischen Schlangenstab und von Puten umringt über die Quelle wacht. Das Kurgebäude selbst besteht aus insgesamt acht spätbarocken Einzelbauten, die den Eindruck eines großen Palais erwecken sollten. Weitere Werke wie die angeblich von Wilhelm I. selbst entworfene künstliche Burgruine, die dem Erbprinzen als Schlösschen diente, rundeten die prunkvolle Anlage ab. Je mehr er dort sein privates Leben genoss, desto mehr wandelte sich die Anlage zum Modebad und zog ein illustres Publikum an.

All die Pracht konnte jedoch nichts daran ändern, dass die Quelle in Wilhelmsbad bereits im frühen 19. Jahrhundert versiegte und Wilhelmsbad seine Attraktivität für das betuchte Publikum zugunsten der der neuen Residenz in Kassel zunehmend verlor. Heute steht die gesamte Anlage unter Denkmalschutz und dient nicht nur der Hanauer Bevölkerung als Ort der Erholung.

Mit dem Denkmal des Monats stellen wir Ihnen unter unserem Jahresmotto „Kurorte 2021“ bedeutende Kuranlagen in Hessen vor. Die kunstvoll gestalteten Zentren der hessischen Kurlandschaft waren in früheren Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil des Gesundheitswesens und schufen eine heilsame Umgebung, die ganz dem Wohlergehen und dem Müßiggang diente.

Lars Görze M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen
23.06.2021