Der Alte Schlachthof in Offenbach

Als er im frühen 20. Jahrhundert in Betrieb genommen wurde, galt der vom Dessauer Architekten A. Roepert entworfene Offenbacher Schlachthof nicht nur als moderne und zukunftsweisende Anlage, sondern zeichnete sich auch durch seine künstlerische Gestaltung aus. Wie schnell Zeit und Technik voranschritten, zeigte sich auch am Schlachthof. Schon im ausgehenden 20. Jahrhundert konnte er nicht mehr mit den Entwicklungen der Technik und Hygienevoraussetzungen mithalten und stellte den Betrieb ein.

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Foto. Verbindungshalle des Alten Schlachthofs in Offenbach.
Heute überspannt ein gewaltiges Glasdach die Verbindungshalle des Alten Schlachthofs in Offenbach.

Zahlreiche Fachleute aus dem In- und Ausland reisten seit 1904 nach Offenbach, um die neu in Betrieb genommene beispielhafte Anlage zu besichtigen. Insgesamt 14 Gebäude fasste der Schlachthof, unter anderem eine eigene Eisfabrik und den bis heute herausstechenden Uhr- und Wasserturm. Zahlreiche farbige Klinker bildeten die historisierende Fassade des großen Schlachthofes, Gewände und Verzierungen aus rotem Mainsandstein gliedern die Gebäude. Der Turm erinnert noch immer an einen alten Wehrturm, mit seinen schmalen Rundbogenfenstern und den weiß verputzten Wappenfeldern. Der einstige Turmhelm fiel dem zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Als der Schlachthof gegen Ende der 1980er zunehmend aus der Zeit fiel, beschloss die Stadt Offenbach, die denkmalgeschützte Anlage in die Moderne zu holen. Das Konzept, welches die Stadt bereits 1989 begonnen hatte, trug auch aus heutiger Sicht beeindruckend moderne Züge. Die historische Bausubstanz sollte erhalten werden und eine Mischung aus Wohn- und Gewerbe-, kultureller und sozialer Nutzung die umfangreiche Bausubstanz des Schlachthofes mit Leben füllen. Die denkmalgerechte Umnutzung von Industriebauten steckte jedoch noch in den Kinderschuhen und so wurde eigens ein Architekturbüro aus Paris mit einer Umnutzungsstudie beauftragt. Ein anschließender Wettbewerb führte im Ergebnis zu dem modernen Quartier, welches bis heute Bestand hat. Eigentumswohnungen zogen in die ehemaligen Quartiere ein, eine Cocktailbar fand ihren Platz im früheren Kesselhaus und ein Restaurant zog in das vormalige Kühlhaus. Viele der typischen industriell gefertigten Bauelemente der Anlage, wie die gusseisernen Stützen, wurden in die Neugestaltung mit einbezogen. Die einstige Verbindungshalle wurde durch ein gewaltiges Glasdach überspannt, unter welchem sich die Offenbacher zu kulturellen Veranstaltungen zusammenfinden konnten. Der Wasserturm ist noch immer Wahrzeichen der Anlage und auch die freistehenden Schlote wurden als Erinnerung an die industrielle Geschichte der Anlage beibehalten.

Mit dem Denkmal des Monats stellen wir Ihnen in diesem Jahr verschiedenste bedeutende Industrie- und Technikdenkmäler in Hessen vor. Die Anlagen und Einzeldenkmäler sind Zeugen der industriellen- und wirtschaftlichen Entwicklung Hessens und geben einen Einblick in den Erfindungsreichtum vergangener Zeiten. Das weite Feld der Industrie- und Technikdenkmäler reicht dabei von landschaftsprägenden Brücken und Staudämmen bis zu faszinierenden Uhrwerken und innovativen Produktionsmaschinen.

Lars Görze M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen
28.01.2022