Das ehemalige Kohlekraftwerk in Borken

Einst stellte das 1924 in Borken (Schwalm-Eder-Kreis) in Betrieb genommene Braunkohle-Kraftwerk Main-Weser einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte der Stromversorgung Preußens dar. Heute erinnern die verbliebenen Gebäude des 1991 stillgelegten Kraftwerkes an eine Zeit des technischen Fortschritts, doch auch an eine Ära der Stromproduktion, die der Vergangenheit angehört.

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Foto der Schaltzentrale im Kohlekraftwerk Borken
Die historische Schaltzentrale des ehemaligen Kohlekraftwerks hat sich bis heute erhalten.

Wenngleich das Zeitalter der Elektrik bereits rund 60 Jahre vor dem Bau des Großkraftwerks in Borken begann, steckte die Stromversorgung doch noch immer in den Kinderschuhen - gerade die Verteilung der Elektrizität bereitete noch immer Kopfzerbrechen. Das umgangssprachlich nach seinem Standort betitelte Kraftwerk Borken gehörte zu einem der ersten leistungsstarken Großkraftwerke, die größere Bereiche mit Strom versorgen konnten.

Die Anlage wurde von den im Kraftwerkbau erfahrenen Berliner Architekten Werner Issel und Walter Klingenberg geplant und innerhalb von weniger denn einem Jahr errichtet. Bereits im folgenden Jahr ging das durch die AEG erbaute Kraftwerk in den regulären Betrieb. Gerade Linien bestimmen die Gebäudedisposition, dunkelrotes Ziegelsichtmauerwerk prägt die Fassaden. Zeittypische Ornamentik zieht sich durch alle Gebäude der Anlage und verleiht dieser ein uniformes Erscheinungsbild.

Nicht nur wirtschaftlich, auch landschaftlich und kulturell hat die Zeit des Kohlebergbaus die Umgebung stark geprägt. Immerhin wurden im Laufe der Zeit fast 40 Millionen Tonnen Kohle in der Region abgebaut und etliche Gebäude und Felder mussten dem Tagebau weichen. Auch das Kraftwerk selbst produzierte Unmengen an Asche und Schlacke, die wiederum entsorgt werden mussten.
Mit dem aufkommenden Ende der Kohleära wurde 1991 auch das Kraftwerk in Borken stillgelegt. Einige der Gebäude wurden abgerissen, andere umgenutzt. Bis heute erhalten haben sich das alte Maschinenhaus, drei Schalthäuser, das Kesselhaus und das Pumpenhaus. Die Gebäude sind heute herausragende Beispiele der Industriekultur einer Zeit, aus der nicht mehr viele vergleichbare Anlagen erhalten sind.

Mit dem Denkmal des Monats stellen wir Ihnen in diesem Jahr verschiedenste bedeutende Industrie- und Technikdenkmäler in Hessen vor. Die Anlagen und Einzeldenkmäler sind Zeugen der industriellen und wirtschaftlichen Entwicklung Hessens und geben einen Einblick in den Erfindungsreichtum vergangener Zeiten. Das weite Feld der Industrie- und Technikdenkmäler reicht dabei von landschaftsprägenden Brücken und Staudämmen bis zu faszinierenden Uhrwerken und innovativen Produktionsmaschinen.

Lars Görze M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen
30.06.2022