Seltene Bronzelampe von der Grenze des römischen Reiches

Die archäologische Baubegleitung einer Fernwärmeleitung in der Zivilsiedlung vor den Toren des Limeskastells Butzbach, Wetteraukreis führte zur Entdeckung eines herausragenden Fundstücks. Es ist möglicherweise mit dem unweit entfernt liegenden und erst vor wenigen Jahren entdeckten römischen Heiligtum in Zusammenhang zu sehen. Dieser Fund zeigt eindrücklich, wie wichtig es ist, auch kleinere lineare Bodeneingriffe im Bereich von Bodendenkmälern konsequent archäologisch zu begleiten.

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Foto Restaurierte Lampe. Gut sichtbar ist der rückwärts blickende Kopf des Seeungeheuers, der Kessel mit pyramidenförmigem Sockel und die verschlossene, ehemalige Dochtöffnung.
Restaurierte Lampe. Gut sichtbar ist der rückwärts blickende Kopf des Seeungeheuers, der Kessel mit pyramidenförmigem Sockel und die verschlossene, ehemalige Dochtöffnung.

Das schiffsförmige Bronzeobjekt verfügt über hochgezogene Steven, wovon einer volutenförmig und der andere im Kopf eines rückwärts zum Deck blickenden Seeungeheuers ausläuft. Unterhalb von Ersterem sitzt eine ovale, mit einem Pfropfen aus gebranntem Ton verschlossene Öffnung, die der Aufnahme eines Dochtes gedient hat. Das Schiffsdeck ist eben, in der Mitte ist ein Sockel in Form eines Pyramidenstumpfs angebracht, auf dem ein Kessel mit zwei Henkeln steht. Er ist wie der gesamte Schiffskörper innen hohl. Volute und Seeungeheuerkopf verfügten über wahrscheinlich farbige Einlagen. Auf jeder Seite des Schiffsrumpfes ist jeweils ein Fisch und ein Delfin sichtbar, deren Augenpartie vermutlich ebenfalls Einlagen kennzeichneten. Nachweise konnten im Rahmen der Restaurierung aber keine erbracht werden. Das Schiff thront auf einem Sockel, dessen breite Standfläche innen hohl ist. Das Objekt wiegt 161 g, ist 6,3 cm hoch, 9 cm lang und 3,2 cm breit. Die ovale Standfläche ist verbogen, teilweise beschädigt und unvollständig. Mehrere tiefe Scharten wie von einer absichtlichen Beschädigung sind erkennbar. Im Objekt selbst wurden bei der Restaurierung in den Werkstätten der hessenARCHÄOLOGIE Haar- oder Fellreste mit einer talgartigen Substanz gefunden, die derzeit naturwissenschaftlich untersucht werden. Es handelt sich um ein exzeptionelles Stück, dass wohl ins 3. Jahrhundert datiert werden kann. Parallelen gibt es bei einem Altfund aus dem ebenfalls in Hessen gelegenen Kastell Zugmantel. Dieses Stück kann in der Dauerausstellung der Saalburg besichtigt werden. Weitere Vergleichsfunde liegen aus Südgallien vor. Ähnliche Lampen wurden in Mainz, Kesselstadt und Trier entdeckt. Insgesamt gesehen handelt es sich aber um einen äußerst seltenen Fund zu dem zwar Parallelen, aber keine identischen Vergleiche existieren.

06.11.2021
Dr. Jörg Lindenthal Archäologische Denkmalpflege Wetteraukreis,
Hardy Prison M.A. Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE

Weitere Informationen zu Butzbach

Zu römischer Zeit war Butzbach Standort eines bedeutenden Kastells, welches einen wichtigen Grenzübergang am Limes überwachte. Bedeutend war auch die zum Kastell gehörende zivile Siedlung, der sogenannte vicus. Reste des Kastells sollen noch im 17. Jahrhundert sichtbar gewesen sein. Leider wurden große Teile unbeobachtet überbaut, sodass es kaum noch möglich ist größere Flächen zu untersuchen. Umso wichtiger ist es auch kleine Eingriffe archäologisch zu begleiten. Ohne diese Überwachung wäre die Lampe vermutlich niemals gefunden worden.