Eine Burgruine in Nordhessen

Die Burgruine Hauneck auf dem 524 m hohen Stoppelsberg liefert nicht nur eine beeindruckende Fernsicht in die umgebende Landschaft, sondern bietet sich hervorragend für eine Entdeckungstour an. Auf dem Berg, der bereits in der Vorgeschichte besiedelt war, errichteten die Herren von Haune im 14. Jh. eine erste Burganlage. Nach ihrer Zerstörung 1469 wurde die Burg durch den Festungsbaumeister Hans Jakob von Ettlingen zwischen 1482–1489 wiedererrichtet.

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Foto Die Turmruine wurde, wie der Rest der Burganlage auch, saniert und ist begehbar
Die Turmruine wurde, wie der Rest der Burganlage auch, saniert und ist begehbar

Der Stoppelsberg war nach Auskunft vorgeschichtlicher Scherben bereits in der Eisenzeit besiedelt. Wohl im 14. Jh. wurde die Burg Hauneck von den Herren von Haune errichtet und im Jahr 1392 erstmals schriftlich erwähnt.
Die Stammburg der Ritter lag im etwa sechs km südsüdöstlich entfernten Burghaun (Landkreis Fulda) im Talgrund der Haune. Die Höhenlage auf dem Stoppelsberg ermöglichte nicht nur einen strategisch guten Überblick über das Gebiet, sondern diente der Kontrolle der wichtigen Wegeverbindung durch das Haunetal, die von Fulda nach Bad Hersfeld führte.
Zu Anfang des 15. Jhs., genauer wohl im Jahr 1407, erobert der Landgraf Hermann II. von Hessen die Burg Hauneck. Im Jahr 1469 wurde sie durch die Ritter von Buchenau zerstört. Nach dem Wiederaufbau unter Landgraf Wilhelm III. zwischen 1482–1489 durch den Amtmann und Festungsbaumeister Hans Jakob von Ettlingen wurde die Burg dann jedoch von den hessischen Landgrafen gehalten und in der Mitte des 19. Jahrhunderts umfangreich saniert.

Das Burgplateau wird von einer fast vollständig erhaltenen, 1,5 m starken Wehrmauer umschlossen und durch eine doppelte Toranlage gesichert. Im Zentrum sitzt der Stumpf eines mächtigen eckigen Wohnturms auf dem anstehenden Säulenbasalt auf. Er dürfte im Kern zum ältesten Baubestand der Burganlage gehören. Entlang der Südseite befinden sich die hoch erhaltenen Mauern eines Wohnbaus, der über ein spitzbogiges Tor betreten werden kann. Im Küchentrakt sind heute noch die Reste des Herdsockels, des Ausgusssteines und des Pflasterbodens zu sehen. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Burgruine Hauneck legten in den 1980er Jahren den Küchentrakt bei Sanierungsarbeiten wieder frei. Dabei wurde auch eine Vielzahl an Glas- und Keramikscherben aus der Zeit des 15.–17. Jhs. gefunden, die heute im Depot des Landesmuseums in Kassel verwahrt werden. Auch im Umfeld der Burganlage wurden Funde aufgesammelt, die ebenfalls in das Spätmittelalter und in die frühe Neuzeit datieren.

Heute bietet die gut erhaltene Burgruine mit ihrem begehbaren Bergfried einen hervorragenden Ausflugspunkt im Kreis Hersfeld-Rotenburg und belohnt den Besucher mit einem grandiosen Ausblick in die nördliche Kuppenrhön mit den Vulkankegeln des Hessischen Kegelspiels.

Dr. Eveline Saal, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE
07.11.2021